Keine Perspektiven nach der Räumung des Taksim-Platzes

Die Stürmung und die gewalttätige Räumung des Taksim-Platzes in Istanbul am Samstag, 15.6.2013, ist in keiner Weise ein Abschluss. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat mit seinem Vorgehen, angeheizte Polizisten mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen Gezi-Park und Taksim-Platz stürmen und räumen zu lassen, die Wut und den Protestwillen vieler türkischer Bürger weiter angestachelt. Und er hat mit seinem gewaltgeladenen Vorgehen gegen friedliche Bürger seines Landes in bestürzender Form unter Beweis gestellt, dass seine Position Jahrzehnte entfernt ist von einer durch Respekt und Toleranz geprägten demokratischen Haltung.

taksim

Seit Tagen beschreiben viele Medien die Strategie des türkischen Regierungschefs als ein Vorgehen „mit Zuckerbrot und Peitsche“. Das wirklich Erschreckende hinter dieser Methode allerdings ist, dass Erdogans Handeln einen äußerst autoritären, fast totalitären Charakter offenbart. Mit seiner Unberechenbarkeit brüskiert er dabei nicht nur viele Bürger, sondern auch eine Vielzahl seiner politischen Mitstreiter.

Erdogan, der so gerne und so großmännisch in deutschen Fußballstadien Rechte bei der Bundesregierung für seine Landsleute in Deutschland eingefordert hat, steht jetzt am Pranger der internationalen Medien. Zu Recht. Denn selbst sein Verhalten, sich immer wieder in der Menge von Claqueuren, von zinnsoldatenartigen Parteianhängern Zuspruch zu holen, erinnert zuweilen mehr an die Bilder totalitärer Regime als an eine Demokratie.

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