Quelle: rbb-Inforadio, 09.11.2010

Die Welthungerhilfe und die Kinderhilfe „Terre des Hommes“ haben ihren Bericht über die deutsche Entwicklungshilfe vorgelegt. Darin kritisieren sie, dass die Bundesrepublik im Jahr 2009 ihre Hilfen um etwa 1 Milliarde Euro reduziert hat, obwohl sie sich eigentlich verpflichtet hat, sie bis 2015 auf 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommes zu steigern. Das Schwerpunktthema des Berichtes sind in diesem Jahr die „Entwicklungspatenschaften mit der Wirtschaft“. Diese werden von den beiden Organisationen besonders kritisch gesehen.

Der Bericht trägt den Titel „Profitable Partnerschaft“. Damit sind die Entwicklungspatenschaften mit der Wirtschaft gemeint, ein Instrument der deutschen Entwicklungshilfe. Dabei werden deutschen Unternehmen Gelder zur Verfügung gestellt, wenn sie Projekte in Entwicklungsländern starten möchten. Die Idee dahinter: Den ärmeren Ländern zu helfen und gleichzeitig die deutsche Wirtschaft zu unterstützen. Im Idealfall entsteht so eine Win-Win-Situation. Jedoch nur im Idealfall, sagt Danuta Sacher von „terre des hommes“: „Wir kritisieren, dass möglicherweise öffentliche Mittel, die für Entwicklungshilfe, Armutsbekämpfung, bestimmt sind, als Subvention für deutsche Unternehmen benutzt werden. Die Entwicklungshilfsgeld aus Deutschland sind so knapp bemessen, dass sie dem eigentlichen Zweck zugeführt werden sollten.“

Denn die reine Außenwirtschaftsförderung ist eigentlich Aufgabe des Wirtschaftsministeriums. Gelder des Entwicklungshilfeministeriums dafür fließen zu lassen, halten die beiden Hilfsorganisationen nicht für angemessen – schnell stellt sich hier die Frage, was bei einer solchen Förderung im Vordergrund steht: „Geht es darum, dass die deutsche Entwicklungspolitik den Interessen der deutschen Außenwirtschaft zu dienen hat, oder geht es darum, dass die deutsche Außenwirtschaft dazu beiträgt, wichtige Ziele wie Armutsüberwindung zu erreichen.“

Der Mehrzahl dieser Kooperationsprojekte finden in Asien statt, nur etwa ein Viertel in Afrika. Die deutschen Unternehmen konzentrieren sich verständlicherweise auf ökonomisch attraktive Länder oder Sektoren – Bildung, Gesundheit oder ländliche Entwicklung gehören eher nicht dazu. Gerade diese Sektoren sind aber maßgeblich zur Armutsbekämpfung. Für ein deutsches Unternehmen sei Wirtschaftsförderung in China nunmal interessanter als Bildungsförderung in Burkina Faso, sagt Danuta Sacher: „Es ist ganz klar, dass für Entwicklungsländer Gesundheit und Bildung elementare Prioriät haben. Und genau in diese Bereiche investieren deutsche Unternehmen eher nicht (…)“

Das Fazit von der Welthungerhilfe und Terre des Hommes: Wirtschaftsinteressen im Ausland zu fördern, befördere nicht automatisch auch Entwicklungsziele. Dafür brauche es gezielte Maßnahmen in vernachlässigten Regionen.

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